Archiv nach Kategorie "Romane"

William Gay: Nächtliche Vorkommnisse

Veröffentlicht in Romane am 4 September, 2009 von aichlinn

Die Geschwister Corry und Kenneth Tyler kommen dem Bestatter Fenton Breece auf die Schliche, der die ihm anvertrauten Verstorbenen auf schreckliche Art und Weise zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet. Corry und Kenneth beschließen, seine Greueltaten zu fotografieren und Breece damit zu erpressen. Doch der engagiert den allseits gefürchteten Granville Sutter, der die Fotos beschaffen soll, egal auf welchem Weg. Es beginnt eine spannende Hetzjagd.

Laut Stephen King die beste Neuerscheinung des letzten Jahres.

Rayk Wieland: Ich schlage vor, dass wir uns küssen

Veröffentlicht in Romane am 31 Juli, 2009 von aichlinn

Herr W. bekommt unerwartete Post. Er wird zu einer Podiumsdiskusssion der Untergrunddichter der DDR eingeladen und fragt sich, ob denn nicht eine Verwechslung vorliegt, schließlich war er weder Dichter, noch im Untergrund. Nach einem Telefonat mit den Initiatoren wird er neugierig und fordert seine Stasi-Akte an. Beim Lesen entdeckt er Gedichte, die er als Jugendlicher geschrieben, aber irgendwann verbrannt hat. Die Stasi sammelte und interpretierte diese akribisch. Herr W. wurde zum Staatsfeind erklärt, dabei schrieb er diese Gedichte weder für den Widerstand noch gegen den Staat, sondern lediglich, um Liane zu imponieren, seiner Jugendliebe, die in München wohnte.

Wieland nähert sich der Thematik weder mit erhobenem Zeigefinder, noch neunmalklug nach dem Motto „Ich habe das Spiel damals nicht mitgespielt“. Er erzählt die Geschichte etwas ungläubig, mit einem amüsiertem Unterton, den man in 20 Jahren Nachwendebiographie entwickeln kann und mit Worten, die klingen und wirken und mich den Tag, da ich das Buch ausgelesen hatte, verfluchen ließen.

Hans Waal: Die Nachhut

Veröffentlicht in Romane am 14 August, 2008 von aichlinn

Angehörige der Waffen-SS hatten einst den Auftrag, sich in einem Bunker nahe Wittstock zu verschanzen und auf die Ankunft des „Führers“ zu warten, um ihn zu beschützen. Der ranghohe Gast kam nie. Als nach über 60 Jahren der letzte Büchsenöffner kaputt ging, beschließen die letzten vier Exemplare den Ausstieg.
Immer noch in der Annahme, sich mitten im Krieg zu befinden, wollen sie sich ins Kampfgetümmel stürzen und in die „Reichshauptstatt“ durchschlagen. Doch die Welt hat sich verändert. Die kauzigen Herren, bewaffnet und uniformiert, nehmen auch gleich mal einen Pfarrer als Geisel und beschießen einen Bus mit amerikanischen Schülern.
Doch bald werden sie zu Gejagten. Die Presse wittert DIE große Story und das BKA erklärt die Vorfälle ins Reich der Legenden, schließlich will man nach außen einen Staat demonstrieren, der die Geschichte aufgearbeitet hat. Über den Weg laufen ihnen aber auch staunende Neonazis und (freiwillige und unfreiwillige) Familienangehörige.
Eine sehr originelle Satire über den Umgang mit deutscher Geschichte!

Nick Hornby: A long way down

Veröffentlicht in Romane am 24 Juli, 2008 von aichlinn

Das Topper’s House – kein gewöhnliches Hochhaus in London, sondern auch ein idealer Platz für gescheiterte Existenzen. Natürlich braucht man einen Plan, den hohen Maschendrahtzaun zu überwinden, der Besucher des Daches von dem unfreiwilligen oder geplanten Sturz in die Tiefe abhalten soll. Denn man war garantiert nicht der Erste mit diesem endgültigen Gedanken, den gescheiterte Menschen früher oder später hegen. Dann fehlen lediglich noch ein paar Schritte und der Absprung, es sei denn, das Schicksal will es anders. Das Schicksal hat in Nick Hornbys neuestem Buch „A long way down“ vier Gesichter.

Martin, zynischer Talkmaster, als Ehemann und Vater schon längst gescheitert, erlangte ungewollte Berühmtheit, als er nach einem Verhältnis mit einer Fünfzehnjährigen im Gefängnis landete.
Maureen, die personifizierte Unschuld, leistete sich nur eine Unachtsamkeit und die bescherte ihr gleich ein Kind. Noch bevor sie anfangen konnte, zu leben, war ihr Weg vorbestimmt. Der Vater des Kindes ergriff die Flucht, Maureen bekam einen Job auf Lebenszeit, denn Sohn Matty ist schwerbehindert.
Jess, die durchgeknallte Tochter eines Ministers, geht ihren Mitmenschen mit ihrer dreisten und aggressiven Art auf die Nerven. Als sie auch noch von ihrem Freund verlassen wird, ist der Umgang mit ihr noch schwieriger. Nicht nur die anderen hassen sie, sondern sie sich selbst ebenso. Jess’ einziger menschlicher Zug scheint darin zu bestehen, dass sie ihre verschwundene große Schwester vermisst.
Der Vierte im Bunde ist JJ – Pizzabote, Musiker, Amerikaner. Er kam über den „großen Teich“ und jobbt in London, weil sich seine Band, sein Lebensinhalt, auflöste und ihm seine Freundin obendrein noch den Laufpass gab. Die Grundpfeiler seines Lebens und all seine Träume fielen in sich zusammen.

Vier Menschen also, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch verbindet sie eine entscheidende Sache: sie sind alle willens, die letzten Schritte zu gehen und den Sprung hinunter zu wagen.
Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Nick Hornby verzichtet auf das Einstreuen von Lebensweisheiten, lässt amüsante Dialoge anstelle tiefsinniger Monologe wirken. Er schickt die Protagonisten auf die Suche nach dem Leben, aber nicht nach dessen Sinn. Dem Leser wird weder Verständnis abgerungen, noch wird er in ethische Diskurse entführt. Hornby lässt die Hauptfiguren miteinander in Beziehungen treten, die nicht in schnulzigen Romanzen oder unzerbrechlichen Freundschaften enden. Er nähert sich diesem sensiblen Thema auf ganz besondere Art und Weise. Er packt es beim Kragen, ohne ihm die Luft zu nehmen. Und auch, weil man den melancholichsten Stimmungen noch ein Lächeln abgewinnen kann, ist „A long way down“ wieder ein richtiger „Hornby“!

Fred Wacker: Ein Kassenpatient kennt keinen Schmerz

Veröffentlicht in Romane am 24 Juli, 2008 von aichlinn

Wie kann man einem Blutdruck von 190 mmHg etwas Positives abgewinnen? Ganz einfach, wenn man sich eigentlich beim Arzt eine Grippeschutzimpfung abholen wollte und einem der quälende Piekser erspart bleibt, wie es unlängst Fred Wacker erging. Doch seine Erleichterung währte nicht lange. Weil der Blutdruck in der folgenden Woche sogar noch anstieg, folgte ein denkwürdiger Krankenhausaufenthalt, an dessen Ende sich der Autor die Frage stellte, wie man trotz geschwätziger Mitpatienten und eines Marathons aus Temperatur-, Puls-, und Blutdruckmessungen zur Ruhe kommen soll. Oder wurde er am Ende gar nur wegen seinen „wunderbaren Übungsvenen“ stationär aufgehalten, die ihm eine Krankenschwester attestiert?
Doch man ist ja nicht sein ganzes Leben lang nur Patient. Deshalb ist die beschriebene Episode auch nur ein Kapitel in Fred Wackers Erstlingswerk „Ein Kassenpatient kennt keinen Schmerz“. Darin kann man nämlich auch nachlesen, welche Schikanen den Autor und seine Frau beim Ausbau ihres neu erworbenen Häuschens erwartet haben, wie ungünstig es ist, in der Küche über die Hauptverteilerdose hinweg zu tapezieren oder den Graben für das Stromkabel von seinen hilfsbereiten Nachbarn zu tief ausheben zu lassen.
Unberichtet bleiben darf natürlich auch nicht, wie ein Ostseeurlaub drohte, in einer Katastrophe zu enden, weil das Kamerastativ des Bruders am Strand verloren ging, was zu DDR-Zeiten bekanntlich ein Verlust von Dauer sein konnte, oder wie es die Fähigkeit des Autofahrens schulen kann, wenn der Kleinwagen nur bei trockenem Wetter fährt.
So banal wie amüsant, kurz, aber auch kurzweilig kommen sie daher – die Geschichten, die Fred Wacker uns zu erzählen hat. Wer sich unter dem Titel ein weiteres Buch erhofft, das unser Gesundheitssystem thematisiert, wird enttäuscht sein. Wer sich für den Alltag interessiert, gewürzt mit einer Note „Wackerschen Humors“, erkennt sicher den Charme des Büchleins.

Mitch Albom: Dienstags bei Morrie

Veröffentlicht in Romane am 24 Juli, 2008 von aichlinn

„Liebt einander oder geht zugrunde“

Es ist Freitagabend. Mitch Albom, Sportjournalist, Radioreporter und Fernsehkommentator, sitzt in seinem Haus, zappt sich durchs Fernsehprogramm und erstarrt, als der TV-Moderator fragt: „Wer ist dieser Morrie Schwartz?“.
Mitch kennt Morrie Schwartz. Er war mehr als nur sein Soziologie-Professor. Er war sein Freund. Doch Mitch hatte nach dem Studium Karriere gemacht und andere Dinge im Kopf. Sein Erfolg als Journalist brachte ihm Geld, Ruhm und Aktien.
Beim Blick auf den Bildschirm erschreckt Mitch, denn Morrie war kaum wiederzuerkennen, ausgemergelt und von Krankheit gezeichnet. Er hat ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), eine unheilbare, degenerierende Krankheit des motorischen Nervensystems, die zu einer Muskellähmung im gesamten Körper führt.
Wenige Wochen später beginnt der letzte Kurs von Morrie Schwartz. Er findet nicht im Hörsaal, sondern in seinem Arbeitszimmer statt. Mitch ist der einzige Student und Thema des Kurses ist der Sinn des Lebens. Eine Abschlussprüfung wird es nicht geben. Die Abschlussarbeit ist dieses Buch.
Als Mitch seinen alten Professor besucht, wird ihm bewusst, dass er seine Träume längst aufgegeben hat und nur noch für seinen Job lebt. Er beginnt an seinem Leben zu zweifeln. Fortan besucht er Morrie, üblicherweise dienstags, wie schon zu Studienzeiten. Sie reden nicht über Fakten, Theorien oder Statistiken, sondern über die wirklich wichtigen Lektionen des Lebens: Reue, Selbstmitleid, Liebe, Familie, Gefühle, Geld, Kultur, Vergebung und natürlich den Tod.
Während sich Morries körperliche Verfassung zusehends verschlechtert, er rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen ist, erkennt Mitch immer deutlicher, dass er die Art und Weise, wie er sein Leben führt, grundlegend überdenken sollte. Wie sagte Morrie so treffend: „Es sind die falschen Dinge, denen wir einen Wert beimessen. Und das führt zu einem Leben der Leere und Desillusion.“ Sein Rat: „Widme dich liebevoll anderen Menschen, widme dich der Gemeinschaft, die dich umgibt und bemühe dich, etwas zu schaffen, das deinem Leben Sinn und Bedeutung verleiht.“
Das Leben ist ein immerwährender Lernprozess. Aber es gibt Menschen, die nicht nur ein ganzes Leben lang lernen, sondern auch bis zum letzten Atemzug lehren. Morrie war so ein Mensch.
„Dienstags bei Morrie“ ist Philosophie für den Alltag, für jeden verständlich, von jedem anwendbar.