Nick Hornby: A long way down
Das Topper’s House – kein gewöhnliches Hochhaus in London, sondern auch ein idealer Platz für gescheiterte Existenzen. Natürlich braucht man einen Plan, den hohen Maschendrahtzaun zu überwinden, der Besucher des Daches von dem unfreiwilligen oder geplanten Sturz in die Tiefe abhalten soll. Denn man war garantiert nicht der Erste mit diesem endgültigen Gedanken, den gescheiterte Menschen früher oder später hegen. Dann fehlen lediglich noch ein paar Schritte und der Absprung, es sei denn, das Schicksal will es anders. Das Schicksal hat in Nick Hornbys neuestem Buch „A long way down“ vier Gesichter.
Martin, zynischer Talkmaster, als Ehemann und Vater schon längst gescheitert, erlangte ungewollte Berühmtheit, als er nach einem Verhältnis mit einer Fünfzehnjährigen im Gefängnis landete.
Maureen, die personifizierte Unschuld, leistete sich nur eine Unachtsamkeit und die bescherte ihr gleich ein Kind. Noch bevor sie anfangen konnte, zu leben, war ihr Weg vorbestimmt. Der Vater des Kindes ergriff die Flucht, Maureen bekam einen Job auf Lebenszeit, denn Sohn Matty ist schwerbehindert.
Jess, die durchgeknallte Tochter eines Ministers, geht ihren Mitmenschen mit ihrer dreisten und aggressiven Art auf die Nerven. Als sie auch noch von ihrem Freund verlassen wird, ist der Umgang mit ihr noch schwieriger. Nicht nur die anderen hassen sie, sondern sie sich selbst ebenso. Jess’ einziger menschlicher Zug scheint darin zu bestehen, dass sie ihre verschwundene große Schwester vermisst.
Der Vierte im Bunde ist JJ – Pizzabote, Musiker, Amerikaner. Er kam über den „großen Teich“ und jobbt in London, weil sich seine Band, sein Lebensinhalt, auflöste und ihm seine Freundin obendrein noch den Laufpass gab. Die Grundpfeiler seines Lebens und all seine Träume fielen in sich zusammen.
Vier Menschen also, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch verbindet sie eine entscheidende Sache: sie sind alle willens, die letzten Schritte zu gehen und den Sprung hinunter zu wagen.
Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…
Nick Hornby verzichtet auf das Einstreuen von Lebensweisheiten, lässt amüsante Dialoge anstelle tiefsinniger Monologe wirken. Er schickt die Protagonisten auf die Suche nach dem Leben, aber nicht nach dessen Sinn. Dem Leser wird weder Verständnis abgerungen, noch wird er in ethische Diskurse entführt. Hornby lässt die Hauptfiguren miteinander in Beziehungen treten, die nicht in schnulzigen Romanzen oder unzerbrechlichen Freundschaften enden. Er nähert sich diesem sensiblen Thema auf ganz besondere Art und Weise. Er packt es beim Kragen, ohne ihm die Luft zu nehmen. Und auch, weil man den melancholichsten Stimmungen noch ein Lächeln abgewinnen kann, ist „A long way down“ wieder ein richtiger „Hornby“!
31 Juli, 2008 um 9:44
ein geniales buch, ist nur zu empfehlen!